Die Entstehung von „Ghostbusters“ – Wie ein verrückter Einfall zum ikonischen 80er-Kultfilm wurde

ghostbusters

Als Ghostbusters 1984 in die Kinos kam, war niemand auf das gewaltige kulturelle Erdbeben vorbereitet, das dieser Film auslösen würde. Ein Mix aus Comedy, übernatürlichem Spektakel, revolutionären Spezialeffekten und schrägen Figuren – Ghostbusters war sofort ein weltweites Phänomen. Doch hinter dem fertigen Film steckt eine turbulente, kreative und stellenweise chaotische Entstehungsgeschichte, die ebenso unterhaltsam ist wie das Endprodukt selbst.

In diesem Hintergrundartikel schauen wir zurück auf die Ursprünge, die Ideen, die Drehbuchentwicklung, den Cast, die Effekte, die Produktion und den wegweisenden Erfolg dieses außergewöhnlichen Films.


Die Idee beginnt mit Dan Aykroyd – und seiner Familiengeschichte

Der Ursprung von Ghostbusters liegt in der schillernden Fantasie von Schauspieler und Comedian Dan Aykroyd. Seine Faszination für Geister, Okkultismus, paranormale Phänomene und Wissenschaft war kein Gag – sie war tief verwurzelt in seiner Familiengeschichte.

Aykroyds Großvater war Spiritist, sein Vater schrieb ein Buch über paranormale Untersuchungen, und sein Haus war voller Bücher über Geister und Mediumismus. Für Aykroyd war das Übernatürliche kein gruseliger Mythos, sondern ein jahrzehntelanger, beinahe wissenschaftlicher Forschungsgegenstand.

Schon in den späten 70ern arbeitete er an einem Skript, das eigentlich deutlich futuristischer und düsterer war:
Ein Team von „Geister-Jägern“ reist durch Zeit und Raum, bekämpft paranormale Wesen in Paralleluniversen und nutzt Dutzende High-Tech-Waffen.

Diese Vision war allerdings unbezahlbar. Das Drehbuch hätte ein Budget verschlungen, das in den frühen 80ern jenseits jeder Realität lag.


Harold Ramis kommt dazu – und macht die Idee filmbar

Als Aykroyd mit dieser überbordenden Idee zu Ivan Reitman kam, dem späteren Regisseur, wusste der sofort: So funktioniert das nicht. Aber er erkannte das Potenzial – die Mischung aus Comedy und Übernatürlichem war neu und aufregend.

Reitman empfahl, das Projekt drastisch zu „erden“.
Und dafür holte man Harold Ramis, der schon mit Caddyshack und Stripes (hier arbeitete er ebenfalls mit Reitman zusammen) bewiesen hatte, dass er humorvoll, strukturiert und zugleich fantasievoll schreiben konnte.

Gemeinsam entwickelten Aykroyd und Ramis ein ganz neues Konzept:

  • Die „Ghostbusters“ sollten normale Typen in New York sein.
  • Die Ausrüstung sollte an handwerkliche Geräte erinnern (Protonpacks = futuristische Staubsauger).
  • Statt Zeitreisen sollte der Fokus auf New York als Schauplatz liegen.
  • Der Humor sollte aus dem Kontrast entstehen: Wissenschaftsnerds treffen auf absurde, übernatürliche Situationen.

Diese neue Fassung war plötzlich realisierbar – und brillant.


Die ursprüngliche Besetzung war völlig anders gedacht

Viele Fans wissen nicht, dass Ghostbusters ursprünglich mit John Belushi in einer Hauptrolle geplant war.
Aykroyd hatte insbesondere Belushi bei der ersten Drehbuchfassung im Kopf. Nach dem großen Erfolg von Blues Brothers war das Duo Aykroyd/Belushi ein Comedy-Traumpaar.

Doch Belushi starb 1982 völlig überraschend. Sein Tod veränderte die gesamte Dynamik des Projekts.

Die Rolle des lässigen, improvisationsfreudigen Ghostbusters – die später von Bill Murray verkörpert wurde – war für Belushi gedacht.
Aykroyd behauptete später scherzhaft, Belushis Geist habe den Film trotzdem beeinflusst – angeblich sei der glibbrige Slimer eine Art Hommage an ihn gewesen.


Bill Murray tritt ein – und der Ton des Films verändert sich

Als Belushi wegfiel, schlug das Studio Bill Murray vor.
Eine Entscheidung, die Ghostbusters maßgeblich prägte.

Murray brachte:

  • sein improvisatorisches Talent,
  • seinen trockenen Witz,
  • seine ironische Distanz zu allem,
  • und eine gewisse Coolness,

die den Film deutlich leichter und witziger machte.

Sein Charakter, Dr. Peter Venkman, wurde neu geschrieben – nicht mehr chaotisch wie Belushi, sondern süffisant, charmant unprofessionell und wunderbar unbeeindruckt vom Übernatürlichen.


Sigourney Weaver überrascht beim Casting

Die weibliche Hauptrolle Dana Barrett wurde schließlich an Sigourney Weaver vergeben, die durch Alien bekannt war.
Ihr Casting war legendär: Weaver spielte nicht nur ernsthaft, sondern warf sich plötzlich auf den Boden und spielte eine besessene Hundedämonin – was Reitman komplett überraschte und überzeugte.

Sie brachte eine elegante, ernsthafte, fast dramatische Qualität in den Film, die als perfekter Gegenpol zum Chaos der Ghostbusters diente.


Rick Moranis improvisiert sich unsterblich

Rick Moranis wurde für die Rolle des tollpatschigen Nachbarn Louis Tully gecastet, nachdem John Candy abgesprungen war.
Candy hatte eine völlig andere Vorstellung der Figur (brüllend, akzentbehaftet, mit deutschen Schäferhunden), die nicht zum Film passte.

Moranis hingegen erfand Louis quasi selbst – seine monologartigen Dialoge waren oft komplett improvisiert und gehören heute zu den lustigsten Szenen des Films.


Die Spezialeffekte – eine Mammutaufgabe für 1984

Ghostbusters entstand in einer Ära, in der digitale Effekte noch in den Kinderschuhen steckten. Alles musste physisch, optisch oder mechanisch umgesetzt werden.

Dafür wurde ein brandneues Studio gegründet:
Boss Film Studios von Richard Edlund, der zuvor für Star Wars gearbeitet hatte.

Die Effekte beinhalteten:

  • Stop-Motion-Animation (z. B. Terrorhunde)
  • animierte Modelle
  • handgezeichnete Geistererscheinungen
  • Miniatursets
  • Rauch- und Lichttechnik
  • Tricks mit Spiegeln und Doppelbelichtung

Das war eine gewaltige logistische Herausforderung.

Ein Beispiel:
Der Marshmallow Man war ein Schauspieler in einem riesigen Anzug, der durch ein Miniaturset stapfte. Die Explosion am Ende wurde aus einer Mischung von Schaum, Eierschaum und rasierschaumähnlicher Masse hergestellt.

Alles war Handarbeit – und das sieht man dem Film bis heute an, im besten Sinne.


Dreharbeiten in New York – Chaos pur

New York war 1983/84 noch weit entfernt von der aufgeräumten Metropole von heute.
Dreharbeiten auf den Straßen waren chaotisch, laut und manchmal gefährlich.

Zudem war der Zeitplan extrem eng:
Das Studio wollte den Film unbedingt im Sommer 1984 veröffentlichen.

Viele Szenen wurden nachts gedreht, improvisiert oder knapp kalkuliert, und Reitman musste ständig zwischen Action, Comedy und Effektaufnahmen balancieren.

Ein berühmtes Detail:
Beim Dreh der Szene vor der Bibliothek versammelte sich ein großer Menschenpulk – manche dachten, die „Ghostbusters“ seien echte Beamte, weil die Uniformen so überzeugend wirkten.


Der Titelsong entsteht fast zufällig

Ray Parker Jr. schrieb den legendären Ghostbusters-Titelsong unter enormem Zeitdruck.
Er hatte nur wenige Tage Zeit – und das Studio war unzufrieden mit allen bisherigen Songvorschlägen großer Künstler.

Parker sah zufällig einen TV-Werbespot für Haushaltsreiniger und dachte:
Dieser Jingle-Stil passt perfekt zu dem Business-Konzept der Ghostbusters!

So entstand die Zeile:

„Who you gonna call?“

Der Rest ist Musikgeschichte – und einer der bekanntesten Filmsongs aller Zeiten.


Der Erfolg – größer als jeder erwartet hatte

Als Ghostbusters im Juni 1984 startete, war der Erfolg sofort gigantisch.

  • Platz 1 der US-Kinocharts
  • monatelange Laufzeit
  • überragende Kritiken
  • ein riesiger Box-Office-Hit

Der Film wurde zum popkulturellen Phänomen, das eine ganze Generation prägte.

Er löste eine Welle an Merchandising aus:

  • Cartoon-Serie
  • Actionfiguren
  • Kleidung
  • Frühstücksflocken
  • Videospiele
  • ein Sequel (1989)
  • Reboots und Fortsetzungen bis heute

Ghostbusters war nicht einfach nur ein Film – es wurde eine Marke.


Fazit: Die Entstehung von Ghostbusters ist so außergewöhnlich wie der Film selbst

Von Aykroyds spiritistischen Wurzeln, über das Umschreiben des Drehbuchs nach dem Tod eines Freundes, bis zu improvisierten Szenen, technischen Herausforderungen und einem Kultsong, der in letzter Minute entstand – Ghostbusters war das Ergebnis einer seltenen kreativen Explosion.

Der Film lebt von:

  • seiner Mischung aus Comedy und Sci-Fi
  • den starken Charakteren
  • den innovativen Effekten
  • der besonderen Chemie der Darsteller
  • dem einzigartigen Setting
  • und seiner unbeschwerten, aber cleveren Art, mit dem Übernatürlichen umzugehen

Heute gilt Ghostbusters als einer der wichtigsten und einflussreichsten Filme der 80er – und seine Entstehung ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus Chaos, Kreativität und Glück ein zeitloser Klassiker entstehen kann.

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